Wie doch die Jahre vergehen, so wie Sekunden

Teil 44

Wie doch die Jahre vergehen, wie Sekunden

Aus der totalen Finsternis meines Ichs kam ich hoch und es war dunkel. Absolut, denn es war Nacht. Verwegene und unheilvolle Gestalten zierten mein Gesicht, aber die der Angst war nicht dabei, kannte ich nicht. Was war bloß passiert bei mir und auch für mich? Nebelige, zähe und düstere Gedanken machten Party in meinem Kopf und ein wenig verwirrt war ich auch. Ich sah die Sterne und Raketen und wie sie ihren Strahlenregen wieder Richtung Erde gossen. Konnte es sein, das schon Silvester war? Auf jeden Fall hatte ich schon so was von Zöpfen als Bart, die können doch nicht über Nacht gewachsen sein.

Wie hatte das alles passieren können? War mein größter Feind, der Wassermann an diesen Dingen schuld? Langsam sah ich all die Dinge, die ich gemacht haben musste, seitdem ich weg war. Sie hatten mich in einem Boot untergebracht und fuhren los über etwas, was sie Meer nannten. Ein riesiges blaues Ungetüm, das noch dazu die ganze Zeit wie betrunken wackelte. Das Trinken war salzig und die Fische sehr roh. Aber bis in ein Land wie Amerika hatte es gereicht. War ich Jazz spielen in Chicago und sang ich Blues in New Orleans. Meine Reise dauerte ewig und noch einen Tag.

Was da nicht so alles noch für wunderbare Dinge passiert waren. Das war irgendwie so real und doch auch nicht. Langsam kamen die Bilder hoch noch ganz verschwommen und dann auch nicht, als hätte man einen Film zu früh belichtet. Pfeifenrauchen in den Anden, Rückenschwimmen im Totem Meer, Polka tanzen in Warschau und den Sirtaki in Athen. Kurz mal auf den Eifelturm und von oben runter spucken, Sackhüpfen in Prag, Orangen pflücken in Afghanistan und Wasserpfeife kaufen in Tirana. Ich war auf Kamelen geritten und hatte mit einem Gorilla gekämpft im Museum von..na wurscht wo. Ich bin auf den Mount Everest gestiegen und im Neusiedler See getaucht. Armdrücken, Arbeit weit werfen mit einem Hammer, Gurkenglas schütteln, Heuschrecken erschrecken, Bienenjagd - nicht ich, sie mich, mit den Bären tanzen und mit den Wölfen heulen, mit den Löwen brüllen, einen Vogerltanz im Hühnerstall. Ich lief mit Hasen um die Wette, sprang mit dem Fallschirm vom Tisch und hab Haifische gefüttert im Zoo. Und zwischendurch habe ich auch das Pferd raus gelassen, denn mit Sau sollte man in Zeiten der Schweinegrippe doch vorsichtig sein. Das war alles so real oder war es nur ein Traum.

Auf jeden Fall war ich wieder zurück, war es ein Jahr, ein Monat, ein Tag, eine Sekunde oder doch die Ewigkeit. Vom Flughafen aus rief ich Kassandra an. Ihr Held, ihr Hero, ihr FREI war wieder da. Wir haben viel zu reden, meinte sie und ich solle sofort, nun, augenblicklich gleich zu ihr kommen. Und ich solle mich nicht erschrecken, sie habe sich ein Haustier zugelegt. Bei ihrem Haus angekommen, klingelte ich, dann klopfte ich, dann wartete ich und dann öffnete ich die nicht versperrte Tür.

Was würde mich für ein Tier erwarten, eine Katze, ein Hund, ein Wolf, ein Tiger, alles Tiere meiner würdig. In Zukunft würde mich dieses Lebewesen auf meinen Abenteuern begleiten. Ich kam in die Küche und da sah ich ihn. Ein Papa..ei,eie,ei, der von meiner Mutter. Muss ich mir jetzt auch noch ein Holzbein und eine Augenklappe zulegen?