War es ein Wolf oder doch nur der Wind

Teil 42

War es ein Wolf oder doch nur der Wind

Wir waren unterwegs zu der Schwester meiner Freundin Kassandra. Kinderhüten war angesagt und wir wollten unsere Arbeit ganz gewissenhaft erledigen. Ich für meinen Teil auf jeden Fall. So wie eben ein Held wie FREI seine Aufträge komplett erledigt. Vööööllig unkompliziert kompliziert, mit an Kunst und Wahnsinn angrenzender Leichtigkeit, also so wie das Leben eben spielt.

Und da es sich um zwei ganz herzliche und liebe Kinder handelt, denen ich letztemal alles an Juck- und Reizpulvern und sonstigen Gummischlangen und Spinnen abgenommen hatte, konnte dieses Mal gar nichts schief gehen. Außerdem hatte ich genug an unterhaltsamen Lesestoff, DVD’ s, wie „Freitag der 12“, „Der weiße Hai“, „Das Kettensägenmassaker 1 - 9“, „Bambi“, „Rocky 1 – 99“ und viele Gemeinschaftsspiele eingepackt. Wir trafen ein und nach einigen umständlichen, unnötigen Erklärungen, was die Kinder nicht machen und was sie nicht sehen dürfen machten sich die Schwester von Kassandra und ihr netter Freund auf den Weg, um nur ja nicht den Beginn des Konzertes zu verpassen.

Also konnten wir einmal durchstarten. Zu Beginn stand an der Tagesordnung, welchen Film wir sehen könnten. Die Kinder entschieden sich für Motorengeräusch, aber da ich vorsorglich alle bedenkliche und für Kinder ungeeignete Szenen aus den Teilen entfernt hatte, brauchten wir für alle Neun nicht mehr als 48 Minuten, Discwechsel mitgerechnet. So wurde es dann doch noch der Zeichentrickfilm mit Mineral, mehr Limo und sehr viel Chips, den der Hai war entkommen. Wie wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ob Kassandra da die Hand im Spiel hatte.

Schlafenszeit, ab ins Bett. Zuerst aber noch ein wenig waschen und Zähne kitzeln und dann nach einer weiteren Stunde endlich ins Bett. Natürlich lese ich euch noch eine Geschichte vor. Nein besser ich erzähle euch eine.

Da ging das Licht aus und erst jetzt merkten wir, dass es Dunkel war im Zimmer. Und wie, man konnte die Finger nicht vor Augen sehen. Spüren schon, nur nicht sehen. Und dann merkte ich, dass ich nicht allein im Zimmer war. Ach ja, da waren ja noch die drei Kinder und Kassandra. Hätte ich jetzt fast übersehen, ähh überdenkt und vergessen. Und da hörten wir es, dieses Kratzen an der Tür. Dass ist sicher der Wind, gab ich von mir. Und ich es konnte es trotz Dunkelheit ganz deutlich hören was ich sagte.

Aber da war es plötzlich wieder da, dieses Geräusch, nur noch viel Lauter als vorher. Kommt, bleibt hinter mir, doch wo ist hinter mir wenn es dunkel ist. So drehte ich mich mit den Rücken in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Ein lautes Krachen erschreckte uns und noch ein Laut, der sich anhörte, als wenn eine Tür gegen die Wand schlagen würde. Was war los, was ist passiert. Was bis jetzt noch Spaß war wurde Ernst. Ich drückte die Kinder und Kassandra an die Wand und stellte mich vor ihnen. Plötzlich hatte ich das Gefühl, wir waren nicht mehr allein im Zimmer. Meine Augen hatten sich noch immer nicht komplett an die Dunkelheit gewöhnt und doch sah ich es. Verschwommen und nur schemenhaft auszumachen.

Es sah aus wie ein Tier, ein Hund oder Wolf oder was auch immer. Ich bereitete mich im Gedanken schon auf den Kampf vor. Der Griff zum Messer in der Seitentasche gehörte zur Routine, immer wieder geübt und erprobt. Du wirst es nicht schaffen, an mir vorbei zu kommen. Auf keinen Fall, solange ich noch die Kraft habe würde, gegen ihn zu kämpfen. Dieses Knurren zeigte mir, dass er ebenfalls bereit war zum Kampf, es konnte nur mehr Sekunden dauern. Ich glaubte, zu hören, wie ihm Speichel zu Boden tropfte. Sein Fell sträubte sich, die Pfote hob sich und schob sich nach vorne. Zuerst nur die eine, dann die andere ganz langsam, dann schneller, er würde kommen, ja er setzte an zum Sprung….

Schatz, wach auf, wir müssen gehen. Du bist beim Geschichte erzählen eingeschlafen und die Kinder lagen so lieb neben dir, dass ich dich nicht wecken konnte. Meine Schwester ist schon da und wir müssen nach Hause. Wir verabschiedeten uns von Beiden und traten auf die Straße.

Und wie noch nie gesehen und unerwartet lieferte uns die Natur ein schönes Abschiedsschauspiel. Die Wolken öffneten die Schleusen und es regnete in Strömen von einer Sekunde zur nächsten. Ich bin ja heuer sowieso noch nicht nass geworden. Ein schöner Gruß vom Wassermann.