Auch wer den letzten Zug erwischt hat

Teil 30

Auch wer den letzten Zug erwischt hat, ist noch lange nicht zu Hause

Ich hatte gründlich recherchiert und nachgefragt, bevor ich diesem Auftrag meinen besten Mann übergab. Frei übernehmen sie, hatte ich auf meinem Anrufbeantworter gesprochen, aber ich konnte ihn nicht mehr abhören, nachdem er sich auf unbekannte Art und Weise selbst vernichtet hatte.
Also machte ich mich so auf dem Weg, immer noch auf den Spuren dieser unheimlichen und für alle so unvorstellbaren Geschehnisse rund um die Aschenkreise. Das Thermometer zeigte mehr nach unten als nach oben, als es klirrend zu Boden fiel. Na gut, wusste ich eben nicht, wie kalt die Luft auf meine Nase wirkte und auf mein Gesicht und auf die Hände. Aber es mussten weniger als 3 cm an kalter Luft hier wirksam werden. Es war eine mondleere Nacht und die Uhr zeigte schon kurz nach halb, als ich den Treffpunkt wieder verlies. Trotz aller meiner Bemühungen und Überredungskünste hatte ich nicht viel aus meinem Informanten heraus gebracht.
Einzig allein die vielen Runden Bier hatte ihn und seine Freunde einigermaßen zum sprechen gebracht, die dann nach einigen Halben nicht mehr vom sprechen abzuhalten gewesen waren. Sogar singen war noch drinnen, aber die Lieder kannte ich schon alle. Ich betrat die Straße und sah sofort, dass der Nebel von einem Ort zum anderen zog. Zum Abschied hatte mich mein Informant geschlagen, wuchtig genau auf die rechte Schulter und mir alles Gute gewünscht. Bei dem Nebel konnte ich das gut gebrauchen.
Ich sah meine Hand vor dem Gesicht erst wieder, nachdem ich die Augen geöffnet hatte. Grauen durchzog mein Gemüt, einen Sternhagel sah ich und voll der Hoffnung machte ich die ersten Schritte Ein Verdacht, nein ein Schrecken durchfuhr meinen Gliedern, im letzten Bier muss Alkohol gewesen sein. In einem unbeobachteten Moment musste es mir jemand in mein Bier gemischt haben, nur war es der Kellner oder der Wirt? Ich spürte es nur allzu genau, es muss jedenfalls eine ganze Menge davon gewesen sein. Also kämpfte ich mich vorwärts, dann wieder rückwärts und dann wieder vorwärts, immer in so etwa dieser Reihenfolge.
Ich nahm sozusagen den letzten Zug nach Hause und der war verdammt langsam unterwegs. Was würde Kassandra sagen, wenn sie mich so sah? Was würde ich ihr nur alles erklären müssen? War das gar Absicht gewesen, war die Geburtstagsparty so geplant gewesen, war ich in einen Falle getappt und dass wir uns betrinken sollten, ja gar mussten. Wie auch immer es gekommen war, ich hatte mich ein wenig geirrt und war statt an meinen geheimnisvollen Spion in diese stimmungsvolle Party geraten. Alls wenn man sich nicht einmal irren dürfte. Endlich hatte ich unser Heim erreicht, dachte ich mir so nebenbei.
Morgen werde ich sicher weiter meiner Aufgabe nachgehen, die Geheimnisse zu lüften und keinen Irrtum mehr erliegen. Und ganz fest hoffen, dass mein Kopf nicht zu sehr brummt und Kassandra wenigstens ein wenig Verständnis für mich aufbringt. Helden haben es verdammt schwer, sag ich euch.