Kann es sein, dass ich schon vergessen bin
Teil 29
Kann es sein, dass ich schon vergessen bin
Wie lange war ich weg oder war ich da? Verschwunden, abgetaucht, nicht gesehen und doch unter euch. Wir hatten uns ein wenig Zeit für uns genommen und dann ist so viel daraus geworden. Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man glücklich ist. Doch damit ist jetzt Schluss. Ich muss doch da sein für alle, um die Aufgaben zu übernehmen, die Welt zu retten und sei sie nur in einer Schneekugel. Helden haben niemals Zeit, sind immer für andere da, müssen unnachgiebig daran arbeiten, für andere da zu sein, ähh das kommt mir jetzt ein wenig bekannt vor.
Egal, es muss sein. Und so eilte ich sofort zur Hilfe und übernahme die schwierige Aufgabe, die mir wieder so viel Kraft kosten wird, die mich wieder vor so viele Rätsel stellen wird, die mich an die Grenzen des machbaren führen wird. Einen schönen Baum für Weihnachten zu suchen. Groß und mächtig, grün und prächtig, hoch aufragend, eine Pracht, so sollte er aussehen, dieser Baum. So machte ich mich ein paar Tage vor Weihnachten auf dem Weg, aller Hektik trotzend, aller Glühweinstände widerstehend und all den Verlockungen, nicht doch noch in einer warmen Stube die Füße hoch zu legen, den nächsten Christbaumverkäufer anzurufen, um diese Kleinigkeit mir ins Haus zustellen zu lassen. So machte ich mich früh morgens daran, in den Wald zu gehen, aber so früh werde ich nie wieder aufstehen.
Im Dunkeln sich einen Weg durch den Wald zu bahnen. So viele Bäume, die mein Gesicht von nächster Nähe kennen lernte, so viele Zweige, dir mir zeigten, dass sie mich nicht weiter kommen lassen wollten. Die mir den Weg versperrten, wenn ich ihnen zu nahe kam. Die mir zeigten, wie stark sie sind oder mir dann doch aufmunternd auf die Schulter klopften, wenn ich es geschafft hatte. Und erst das Wurzelwerk, wie oft ich es von ganz nahe sah, habe ich dann erst gar nicht mehr gezählt. Und als ich noch im Dunkeln diesen schönen Baum zu Boden gerungen hatte, ihn gerade zum Abtransport fertig machte und merkte, es ist keine Fichte und keine Tanne, nein es ist ein Laubbaum, da habe ich dann doch noch ein wenig zerknirscht den Weg nach Hause gesucht.
Aber aufgeben, doch nicht aufgeben und den Baumverkäufer ein beträchtliches Trinkgeld geben, damit dieser nicht verrät, dass ich den Baum von ihm gekauft habe. Aber es hatte auch so sein Gutes, denn ich hatte noch genügend Zeit, all die anderen Geschenke zu besorgen, sie unter den aufgeputzten Baum zu legen und uns einen wunderschönen 24.12. zu gönnen. Und niemand wird je von meinem Missgeschick erfahren, außer dem netten Baumverkäufer, dem ich die Geschichte erzählte. Wir hatten Tränen in den Augen vor lauter Lachen. Und so sitze ich nun hier zusammen mit meiner Freundin, die Geschenke ausgepackt, glücklich und zufrieden und nehme die Zeitung in die Hand und lese:
Warum sie ihren Weihnachtsbaumbaum doch besser beim Christbaumstand kaufen und nicht aus dem Wald holen sollten?
Es ist schon seid einiger Zeit bekannt, dass die Christbaumdiebstähle in unseren Wäldern immer mehr zunehmen. Wie wir eben erst aus sehr zuverlässiger Quelle erfahren konnten, hat sich erst gestern folgendes Ereignis zugetragen. Früh morgens.......
HP.Hurtig (Sensationsreporter beim Sensationsblatt "Der Clospüler"
