Alles was Flügel hat fliegt

Teil 28

Alles was Flügel hat fliegt

Es war die Nacht aller Nächte und ich war wie verwandelt, wie elektrisiert. Ein Don Juan im Rausch der Liebe, der das Herz von Kassandra im Sturm eroberte, dieses dahin schmelzen ließ, wie das ewige Eis der Arktis im wärmendem Schein des Sonnenlichtes. Sie zitterte und bebte und lauschte gebannt meinen Worten, konnte vor Spannung kaum atmen, um mir immer wieder ganz nahe zu sein, mir in die Arme zu sinken. Ich saugte den Duft dieses wunderbaren Geschöpfes in mich auf, den sie verströmte, ließ ihn in mir stark werden und konnte nicht anderes, als weiter Worte in ihr Ohr zu flüstern. Wie zwei Ertrinkende klammerden wir uns aneinander. Wieder und wieder kamen wir uns nah.
Bis ich die Augen öffnete und sie vor mir stand. Sie sah aus wie ein Engel und in ihrer Hand hielt sie dieses lange Messer, kam auf mich zu legte es neben das Brot. „Du wolltest doch das Brot für uns aufschneiden, hast du dass schon vergessen?“, sagte sie zu mir, als ich sie immer noch ein wenig verstört ansah. Hatte ich geschlafen, oder nur so vor mich hin geträumt? Es musste wohl so sein, denn Kassandra verschwand kurzerhand wieder in der Küche. Und kam sofort danach mit einem großen Teller zurück, übervoll mit leckeren Dingen.
Wie recht sie hatte, mir knurrte schon der Magen. Die Entenkost war doch nicht so nahrhaft und der Wurm, an den wollte ich in dieser Situation schon gar nicht mehr denken, sofort aus meinem Gedächtnis streichen und fort damit. Aber gezogen hatte der sich, wusste gar nicht, dass Würmer so lange werden können. Während des Essens, das fast ohne Unterhaltung verlief, riskierte ich immer wieder einen kurzen Seitenblick. Wie schön sie doch war. Wie konnte mir das bloß so lange verborgen geblieben sein. War ich zu sehr mit meinen Aufgaben beschäftigt, hatte ich dabei übersehen, dass da eine Schönheit ganz im verborgen blüht? Hatte ich durch meine Aufgaben als Reporter zu sehr den Kopf bei meinen Artikeln gehabt. Wahrscheinlich waren es die Doppelfunktion, dich mich Tag und Nacht beschäftigten.
Es war nicht leicht ein Held zu sein und noch dazu ein einigermaßen guter Reporter. Es war ja ganz schön rund gegangen in letzter Zeit, ohne Übertreibung. Und so saßen wir da und ich dachte noch bei mir, dass es eigentlich sehr schade war, dass alles nur ein Traum gewesen sein soll. „Willst du ein wenig mit mir schwimmen gehen?“, sagte sie so ganz nebenbei. „Es wird schon Tag draußen und der Pool ist geheizt. Also wenn du willst….“ Jetzt ein wenig den Kopf abkühlen war vielleicht nicht die schlechteste Idee. Ich folgte ihr zum Schwimmbecken und kurz davor nahm sie mich einfach bei der Hand und zog mich mit ins Wasser.
Jetzt war auch mein letztes Gewand komplett nass, doch wir lachten nur darüber, bis sie mir dann so gegenüberstand, das Wasser bis zum Hals. Die Sonne ging auf und ein kurzer Blick in ihre Augen genügte. Es war der Tag aller Tage und ich war wie verwandelt,…..