Manchmal kommt es anders

Teil 27

Manchmal kommt es anders, als sich ein Held das denkt

Wir hatten gerührt und die Feder geschwungen, hatten die Formel beschworen und die Geister versucht, sie auf uns gut zu stimmen. Auf jeden Fall hatten wir es uns ganz stark gewünscht, dass es wieder passieren möge, wir uns zurück verwandeln. Aber warum auch nicht? Wer lebt schon gerne ein Leben als Ente? Den ganzen Tag auf der Wiese, nur Körner und Gräser fressen, ab und zu mal ein Wurm. Dann im Teich herumschwimmen, im Gras liegen, für Nachwuchs sorgen und ich hätte fast Bedenken bekommen, dieses Leben aufzugeben und es nicht weiter zu führen.
Wenn da nicht der Bauer gewesen wäre und versucht hätte, mir an den Kragen zu gehen, den Garaus zu machen, mir mein Gas abzudrehen, das Grab zu schaufeln, meine Augen zu schließen, mich um die Ecke zu bringen, um den Ofen an zu machen und mich gerupft bis auf die letzte Feder in der Pfanne gar werden zu lassen. So gesehen war es doch um einiges besser, wenn ich mein weiteres Leben als Mensch bestreite und außerdem brauche mich die Welt ja noch.
Wer außer mir soll denn das Rätsel rund um die Aschenkreise lösen können und würde mein Verschwinden nicht den Untergang unseres von so vielen Lesern geliebten „Der Clospüler“ bedeuten? Also los, Fräulein Cassandra, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Da, nehmen sie dieses Handtuch, halten sie es sich vor dem Körper und ich werde es genau so tun. Und dann runter mit der Flüssigkeit, ich glaube es passiert schon was, ich sehe mal in den Spiegel, hurra ich bin ein Hahn und sie ein Huhn. Typisch, sie haben die Flüssigkeiten vertauscht. Sofort einen neuen Versuch starten. Rühren sie um, ich werde es allein probieren und runter, gleich ex trinken.
Und sagen sie bloß nicht, der Wurm im Spiegel, dass bin ich. Fräulein Cassandra, kommen sie mir jetzt nur nicht zu nah und schauen sie mich nicht so hungrig an, ich bekomme es ja mit der Angst zu tun. So, aber jetzt muss es sein, dies ist die letzte Flasche. Also los, umgerührt, das Handtuch vor dem Körper und runter mit dem Gebräu. Wir haben es geschafft und wie klein doch ein Handtuch für einen Menschen sein kann, dass so groß wirkt für ein Tier. Nein, ich habe nicht hin gesehen und wie können sie behaupten, ich hätte so einen komischen Blick gehabt, den habe ich immer. Und mein Handtuch hätte sich bewegt im unteren Bereich. Wo denken sie hin, dass einzige, was mir gestanden ist, war der Schweiß auf meiner Stirn. Und jetzt sind wir wieder angezogen und damit ist Schluss mit der Diskussion. Endgültig vorbei und vergessen sie was sie gesehen haben. Ich und Gefühle. Die kenne ich nicht, dafür habe ich überhaupt keine Zeit.
Oh, wann haben sie die Kerzen angezündet und das Essen hergerichtet? Das ist aber nett von ihnen. Und ich habe es nicht vergessen. Wie versprochen werde ich ihnen natürlich jeden Tag den Rücken massieren. Diese zehn Minuten, na gut es waren dreißig. Kommen sie schon her, wir werden gleich mit der ersten Sitzung beginnen. Legen sie sich hier hin. Nein ich zittere nicht, dass muss die Kälte sein. Und wenn sie sich auf den Rücken legen kann ich den Rücken nicht massieren und wenn sie mir ihre Arme um den Hals legen schon gar nicht. Und zum Beweis, dass mit mir alles in Ordnung ist, werde ich ihnen einen kurzen Kuss auf die Wange geben. Sie meinen, das war nicht kurz und nicht die Wange. Und ich hätte deine Lippen berührt.