Einmal ein Essen zuviel

Teil 25

Einmal ein Essen zuviel oder ein Trank zu wenig

Das hat ja so kommen müssen. Nicht einmal mein Dress XXXL passt mir mehr. Hätte vielleicht das Brötchen mit Käse zum Magen schließen weglassen sollen oder wenigstens die Majonäse und das Ketchup auf meiner extra klein geratenen Riesenschnitzelsemmel. Ich trau mich schon kaum mehr auf die Straße und wenn es so weiter geht, komme ich vielleicht gar nicht mehr durch die Tür und dann ist es aus mit den Heldentaten, für immer vorbei. Soll ich etwa rufen, ergib dich oder ich erdrück dich. Bleib stehen, ich lauf dir sowieso nicht hinterher. Oder, bei mir kommst du nicht vorbei, zumindest nicht die nächste halbe Stunde. Wie sagte doch noch dieser berühmte Engländer: „No sports“.
Aber ich werde mich dazu entscheiden müssen, wenn ich nicht als Fass enden will. Als Tortenschießbudenfigur auf einem der immer weniger werdenden Rummels. Und außerdem steigen die Kosten für meinen Dress auch schön langsam ins unerschwingliche, unermessliche, in astronomische Höhen. Die Zahlen erreichen schon vom Boden weg die Decke. Auch die Rechnungen für meine kleinen Speisen, das wirklich winzig wenig Essen, kann ich mir fast schon nicht mehr leisten. So Freunde, ab jetzt wird auf schlank gemacht und abgenommen. Nein, kein Geld vom Bankkonto, die Speckröllchen müssen weg.
Der Körper muss wieder gestählt, auf Vordermann und auf Höchstleistung gebracht werden. In meinem Schatten sollen sich die Leute wieder einen Sonnenbrand holen und nicht dahinter verstecken können. Und wenn ich an einem Geschäft vorbeigehe, soll man nicht sofort glauben, es zieht schon wieder ein Gewitter auf. Das wäre doch gelacht, wenn ich dass nicht schaffen würde. Und die Essgewohnheiten müssen umgestellt, den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Ich zwänge mich jetzt gleich in dem extra zwei Nummern kleiner gekauften, mit schwarzen Längsstreifen verzierten gelben Trainingsanzug, war ein super reduziertes, um 90% verbilligtes Schnäppchen. Und ab geht es raus in den Wald zum 10 km Lauf. Vorerst einmal werde ich ihn ein wenig kürzen, nach kaum einem Kilometer bin ich schon aus der Puste. Werde mich ein wenig an dem Baum da lehnen. Aber warum gibt der nach. Und was kommen da für gelb schwarze Viecher raus. Sofort weg von hier und wieder zurück. Buuuuuuuhhhhhhhhhh....... habe es gerade noch bis zu meinem Haus geschafft, die letzten Meter auf allen vieren. Nicht eine hat mich gestochen. Das war neuer Rekord für die Strecke bis hier her.
Aber es muss ja auch noch anders gehen. Ich rufe gleich mal meine Sekretärin an, die hat für solche Zwecke immer den richtigen Rat parat, den rechten Ratgeber eingesteckt oder die richtigen Adressen im Kopf, wo man solche Dinge bekommt. Die, mit denen es man dann spielend leicht schafft, dass alles wieder ins rechte Lot gerichtet werden kann, damit man Rank und Schlank ist. Wusste doch gleich, an wenn ich mich wenden muss. Ihre Urgroßmutter hat früher immer Kräuter gesammelt und verschiedene Getränke gebraut für alle möglichen und unmöglichen Krankheiten und Plagen, für das kleine Zipperlein genauso, wie für die ganz großen Probleme. Wo sind sie nur so lange geblieben, mein Anruf war doch schon vor 7 Stunden. Sie haben gewartet, bis die Luft wieder rein war, aha, was das auch heißen mag. Geben sie schon her, wir trinken es gemeinsam. Jeder einen großen Schluck, sie zuerst und unser Gewichtsproblem ist gelöst.
Jetzt hören sie endlich auf zum Schnattern. Was kann ich dafür, dass sie die Elixiere vertauscht haben, nur weil die Etiketten fast nicht mehr zum Lesen waren und dass es kein Trank zum Abnehmen war, sondern zum Verwandeln in ein Federvieh. Und fressen sie jetzt nicht soviel, denn sollten wir zurück verwandelt werden, dann kommen wir auf keinen Fall mehr in unsere Sachen rein.


Kommt unser Ort nicht mehr zur Ruhe?

Nach all den Vorkommnissen in den letzten Monaten muss man sich schon fragen, ob unser Ort nicht verhext ist. Zuerst die Aschenkreise, die Geruchsbelästigung, dann der Diebstahl des Kinderfahrzeuges, der Stier mit dem verbogenen Horn und die verrückten Kühe, Feld und Wald verwüstet, ein verschwundener Fisch, die Riesenstechmücke, Reportermassen, kein Tag mehr, wo man Ruhe hat und jetzt das hier. Gestern am frühen Nachmittag stürmte ein gelbes, dickbäuchiges, mit schwarzen Längsstreifen versehenes, unbekanntes Tier durch unseren Ort und erschreckte zahlreiche Leute fast zu Tode, bevor es unbekannten Ortes wieder spurlos verschwand. Und gleich danach attackierte ein riesiger Schwarm Hornissen mehrere Stunden unser Dorf. Es war das reinste Wunder, dass dabei niemand zu Schaden kam. Und dann hörte Frau KOHL auch noch zwei vorbeiwatschelte Enten miteinander sprechen Die Welt spielt verrückt, brauchen sie noch mehr Beweise.

HP.Hurtig (Der weltberühmte Sensationsreporter beim Blatt „Der Clospüler“)