Wenn es nicht anders geht

Teil 23

Wenn es nicht anders geht, muss man halt ins Wasser gehen

Um meine Tarnung nicht auffliegen zu lassen, wechselte ich immer wieder mein Kostüm. Aber meine letzte Verkleidung war der reinste Reinfall, eine Katastrophe, die Ihresgleichen sucht. Die Idee erschien mir genial und sofort machte ich mich an die Ausführung. Aber wie konnte ich mich nur als Stechmücke verkleiden, wo man doch ganz genau weiß, wie allergisch manche Menschen auf diese Biester reagieren. Nicht, dass es nur der Flügelschlag war, dieser teuflische Ton, den sie erzeugt, wenn sie des Nachts die Ruhe anderer stört. Es war auch das Aussehen und die Größe, die alle sofort zurückschrecken ließ.
Als sich das versammelte Team der Redaktion einigermaßen vom ersten Schrecken erholt hatte, fing es auch schon an. Zuerst einmal bekam ich die Schreibmaschine meiner Sekretärin auf den Kopf, dann noch ihren Pfefferspray in die Augen, unser Fotograf umklammerte meinen Oberschenkel und die Faust meines Chefredakteurs massierte mir die Nase. Unser Sportreporter sprang mir ins Kreuz und brach mir dabei meine Flügel. Das hätte eigentlich nichts ausgemacht, wenn sie mich danach nicht gemeinsam zum Fenster getragen und mich aus dem dritten Stock unseres Zeitungsverlages rausgeworfen hätten.
Nicht das es mich sonderlich gestört hätte, dass mein Sturz zuerst einmal von der Fahnenstange, die ich zwischen die Beine bekommen hatte, ein wenig abbremst wurde. Vielmehr machte mir zu schaffen, dass diese frisch gestrichen worden war und ich mich darum auch beim besten Willen nicht daran festhalten konnte.
So bremste mein endgültiger Sturz erst der vor unserem Gebäude befindliche Rosenstrauch und einige Dornen weiter dann endgültig der davor befindliche Einfahrtsweg. Wozu Pflastersteine alles gut sein können? Und nicht zuletzt, nachdem ich mich endlich wieder einigermaßen auf die Beine gestellt hatte, versuchte mich auch noch unser Botendienst mit dem Zeitungsbus zu überfahren. Mit einem weiteren Sprung in den Busch konnte ich mich gerade noch vor dem heranbrausenden Bus aus der Schusslinie bringen und nachdem ich auch die allerletzte Dorne zu spüren bekommen hatte, hörte ich ein mir sehr bekanntes Geräusch, das mir das noch übrige Blut in den Adern gefrieren ließ. Bello, unser Dobermann, kam ziemlich schnell geradewegs auf mich zu. Seine Zähne blitzten und er ließ ein lautes Knurren hören. Also, nichts wie weg und vor ihm her. Gerade noch rechtzeitig den Zaun erreicht, dann rüber hechten. Das hat mir zwar ein ganz schönes Stück meiner Verkleidung gekostet und auch mein Rückenteil blieb zum Teil im Maul von Bello zurück. Aber ich war entwischt.
Doch das hat der alten Frau, der ich vor die Füße sprang, nicht sonderlich gefallen und sofort begonnen, mich mit ihrer Handtasche zu verdreschen. Und so blieb mir nichts anderes übrig, als wieder die Flucht zu ergreifen. Dicht gefolgt von einer großen, zuerst neugierigen, dann zornigen und aufgebrachten Menge. Mit letzter Kraft habe ich dann diesen See hier erreicht und da ich in meiner Ausrüstung als Held seid neuestem auch eine Taucherausrüstung immer bei mir trage, verschwand ich kurzerhand im See. Rein ins kühle Nass. Nur, seitdem ich Held bin, bin ich nur noch auf der Flucht, kommt mir so vor.


Aus dem Genlabor entwischt?

Grauenhafte, unvorstellbare und unglaubliche Dinge haben sich heute Morgen im Gebäude des Zeitungsverlages „Der Clospüler“ ereignet, ein regelrechtes Drama abgespielt. Plötzlich wie aus dem Nichts stand eine riesige, ca. 2 Meter große Stechmücke mitten im Zimmer. Nur mit vereinten Kräften konnte dieses Untier gebändigt und wieder aus dem Gebäude gejagt werden, wobei es noch die Fahnenstange und den vor dem Gebäude befindlichen Rosenstrauch total beschädigte. Trotz all der Umstände hat das Untier danach noch unseren treuen Hund Bello geärgert und unsere liebe Oma BEISSZAHN fast zu Tode erschreckt, aber dem Himmel sei Dank, dabei den kürzeren gezogen. Nach letzten Angaben verschwand das Ungeheuer völlig spurlos im angrenzenden See. Wie uns Herr Professor Hugo Siegfried HIRSCHKIPFLER vom ortsansässigen Genlabor versichern konnte, ist keines seiner Versuchstiere aus seinem Gebäude entkommen. Er war aber der Meinung, dass die Mücke sicher einen der zahlreichen Welse im Teich zum Opfer gefallen ist. Wir hoffen das Beste. Aber wo wird uns das noch hinführen? Wir bleiben dem Rätsel genauso auf der Spur wie dem Rätsel rund um die Aschenkreise und dem Rätsel, wann bekomme ich meine nächste Gehaltserhöhung?

HP.Hurtig (Ihr weltberühmter Sensationsreporter beim Blatt „Der Clospüler“)